Matzendorf Kirche

Erste Hinweise zu einer Kirche in Matzendorf

Die Pfarrkirche von Matzendorf steht allein und auf erhöhter, weit einsehbarer Lage zwischen den Orten Matzendorf und Aedermannsdorf. Dabei liegt sie direkt an der alten Verbindungsstrasse durch die Dörfer des Dünnerntals. War am Standort der heutigen Kirche einst ein Wacht- oder Alarmturm entlang des römischen Strassennetzes? Oder wurde die erste Kirche gar bewusst auf dem Areal eines früheren, weithin sichtbaren heidnischen Tempels errichtet? Leider fehlen für Matzendorf bisher archäologische Untersuchungen, die solche Fragen beantworten könnten.

Bis heute ist nicht bekannt, wann in Matzendorf erstmals eine Kapelle oder Kirche entstanden ist. Wahrscheinlich gehen die Anfänge ins 7. bis 9. Jahrhundert zurück. Die älteste bekannte Erwähnung einer Pfarrei in Matzendorf findet sich in einer Steuerliste des Fürstbistums Basel von 1302/04. Im Jahr 1342 verlieh Graf Johann von Froburg den Grafen Rudolf und Jakob von Nidau viele Besitztümer im Tal von Balsthal, darunter auch den Kirchensatz in Matzendorf. Der Kirchensatz war eine Art Stiftung, die dem Lehensherrn und dem jeweiligen Pfarrer gewisse Zinserträge (Zehnten) garantierten. Gleichzeitig war der Lehensherr aber auch in der Pflicht, für den Chor der Kirche und für das Pfarrhaus aufzukommen, während die Gläubigen der Pfarrei für das Kirchenschiff und den Turm sorgen mussten. 1420 kaufte die Stadt Solothurn den Kirchensatz von Matzendorf.

Am 7. Mai 144 7 weihte der Generalvikar des Bischofs Friedrich von Basel die Kirche und den Friedhof zu Matzendorf (älteste Urkunde im Pfarrarchiv von Matzendorf)
Am 7. Mai 1447 weihte der Generalvikar des Bischofs Friedrich von Basel die Kirche und den Friedhof zu Matzendorf (älteste Urkunde im Pfarrarchiv von Matzendorf)

Bauliche Etappen der heutigen Pfarrkirche

Der älteste sichtbare Teil an der heutigen Pfarrkirche ist der Turm. Im obersten Teil befinden sich Eichenbalken, die auf das Jahr 1465 datierbar sind. Vermutlich wurde der heutige Turm somit etwa 1466 erstellt. Ob am gleichen Ort ein noch älterer Turm gestanden hat, lässt sich bis heute nicht belegen.

Im Mauerwerk des Turms erkennt man bis heute, dass einst unten im Kirchturm nach Westen und Osten zwei Rundbogen-Tore von etwa 3,5 m Höhe bestanden haben. Man konnte also unter dem Turm hindurch gehen. Vom ersten Obergeschoss des Turms gab es einen weiteren Durchgang.

Die am Turm angebaute Kirche war der Gottesmutter Maria geweiht und wurde 1520 abgebrochen. Von der Marienkirche blieb nur der 1466 errichtete Turm erhalten.

1520 vermerkte der Chronist Haffner: «Die Kirche zu Matzendorff ward gebawet.» Bei dieser Gelegenheit wurde Pankratius zum Kirchenpatron. Beim Umbau entstand das Kirchenschiff der neuen St. Pankratiuskirche nördlich des Turms. In der Zeit von 1657-1663 wurden an der Kirche wieder grössere Umbauten und Reparaturen ausgeführt. Der damals neu errichtete Dachstuhl schützt die Kirche noch heute.

Seit der Verlängerung von 7 78 7 hat die Pfarrkirche ihre heutige Grösse. Skizze: Zustand um 7 925
Seit der Verlängerung von 1787 hat die Pfarrkirche ihre heutige Grösse. Skizze: Zustand um 1925

Da die Kirche für die Katholiken von Matzendorf, Aedermannsdorf und Herbetswil im 18. Jahrhundert zu klein wurde, entschied man sich 1781 für eine Verlängerung um etwa 5 m. Dabei entstand auch der vom Solothurner Stadtbaumeister Pisoni entworfene, gedeckte Haupteingang im Westen.

Das Alter der Gebäudeteile im Überblick: [7] Mauerwerk Turm (vermutlich 7 466), [2] Dachstuhl Turm (1466 und 7 570), [3] Mauerwerk Schiff und Chor (um 1520), {4] Dachstuhl über dem Schiff (1658), [5] Dachstuhl über dem Chor (1663), [6] Verlängerung nach Westen (1781 ), [7] Sakristei (1954), [8] Aufbahrungshalle (1985)
Das Alter der Gebäudeteile im Überblick:
[1] Mauerwerk Turm (vermutlich 1466), [2] Dachstuhl Turm (1466 und 1570), [3] Mauerwerk Schiff und Chor (um 1520), (4] Dachstuhl über dem Schiff (1658), [5] Dachstuhl über dem Chor (1663), [6] Verlängerung nach Westen (1781 ), [7] Sakristei (1954), [8] Aufbahrungshalle (1985)

 

Grundriss der Pfarrkirche
Grundriss der Pfarrkirche

Im Innern der Kirche

Das Wandgemälde an der Nordseite mit Fragmenten einer Kirchenträgerin (Bertha?), Maria mit Kind, Ursula und Georg(?). Um 7 600.
Das Wandgemälde an der Nordseite mit Fragmenten einer Kirchenträgerin (Bertha?), Maria mit Kind, Ursula und Georg(?). Um 1600.

Im Innern zeugen Fresken von der regionalen Bedeutung der Kirche. So zeigt das 1951 freigelegte Wandgemälde an der Nordseite des Schiffes Maria mit Kind, Ursula und Reste weiterer Figuren. Die Stiftungs-Inschrift «boner zu Laubersdorff und Vrssula stravmeier in elyche hus fravw» weist auf eine Ursula Straumeister, die bereits 1604 als Witwe von Wolfgang Boner aus Laupersdorf erwähnt ist.

Das 1951 freigelegte und restaurierte Wandbild über dem Seitenaltar auf der Südseite ist mit 1544 datiert. Die originelle Komposition täuscht einen dreiteiligen Altarschrein mit Renaissancemotiven vor. Unten sind die Standbilder der Heiligen Ursula, Maria Magdalena und Bischof Valentin dargestellt. Über dem Mittelteil stehen zwei solothurnische Bannerträger und zur Seite die Heiligen Guerinus und Wendelin. Ganz oben trägt ein Schildhalter das Solothurner Wappen. Die Verbindungen zum Stand Solothurn sind unübersehbar und erinnern daran, dass Matzendorf nach den Reformationswirren ab 1536 Gerichtsort für das Gebiet von Laupersdorf bis Gänsbrunnen war.

Die grossen Veränderungen im Innern der Pfarrkirche

Kaspar Anton Menteler: Antonius (Einsiedler) und Agatha, zwei Deckengemälde von 1829 (zerstört anlässlich der Totalrenovation von 1951)
Kaspar Anton Menteler: Antonius (Einsiedler) und Agatha, zwei Deckengemälde von 1829 (zerstört anlässlich der Totalrenovation von 1951)

Im 16. und 17. Jahrhundert hat sich die Kirche im Innern kaum verändert. Auch der Einbau der Empore und die Verlängerung der Kirche im Jahre 1781, nach den Plänen von Stadtbaumeister Pisoni, haben wenig Einfluss auf die Ausgestaltung des Kirchenraumes genommen. Vom damaligen Pfarrer Wisswald wird die Kirche als armselig und geschmacklos bezeichnet. Im Herbst 1829 wurde dann die Ladendecke durch eine bemalte Gipsdecke ersetzt. Bildhauer Sesseli von Oensingen erhielt den Auftrag, die Altäre und die Kanzel neu zu gestalten. Es entstanden neue Kirchenfenster, die Orgel wurde renoviert und der Zuger Maler Kaspar Anton Menteler (1783-1837) schuf neue Altar- und Deckengemälde.

Von 1829 bis 1951 bot das Innere den Anblick einer Biedermeierkirche.
Von 1829 bis 1951 bot das Innere den Anblick einer Biedermeierkirche.
Das Kircheninnere heute
Das Kircheninnere heute

1945 stellte der Kanton Solothurn die Pfarrkirche Matzendorf unter seinen Schutz. Doch der Zustand des ehrwürdigen Gebäudes vermochte nicht mehr zu überzeugen. In einem Brief teilte Domherr Schenker am 26. Oktober 1949 der Kirchgemeinde mit: «Der heutige Zustand des Kircheninneren verlangt gebieterisch eine Renovation». Dieser «Anstoss» zeigte Wirkung und führte zu einer Totalrenovation. Dabei wurde die bisherige Bidermeierkirche sozusagen leer geräumt und das Innere der Pfarrkirche vollständig verändert. Die beiden Emporen wurden entfernt, die Orgel vergrössert, zwei Wandfresken freigelegt und restauriert. Der Durchgang vom Schiff zum Chor wurde als Spitzbogen aus Sandsteinquadern gestaltet, ruhend auf den alten Widerlagern aus Jurakalk. Eine Holzdecke aus gebeiztem Tannenholz ersetzte die bemalte Stuckaturdecke. Das neue Hauptfenster im Chor mit dem Lebensweg des Kirchenpatrons St. Pankratius wurde gerade rechtzeitig eingesetzt, so dass Bischof Franciscus von Streng am 12. Mai 1952 die Altarweihe vornehmen konnte. Von der Einrichtung vor 1951 blieb nur wenig erhalten: die Kirchenfenster und die Holzstatuen der beiden Apostel Peter und Paul. Der zuvor auf der Nordseite eingemauerte Taufstein wurde freigelegt und neu gefasst.

Heiliger Petrus
Heiliger Petrus

Ausgewählte Objekte aus der heutigen Kirche

Altarkreuz mit Holzkorpus aus dem 7 7. Jahrhundert
Altarkreuz mit Holzkorpus aus dem  17. Jahrhundert

Von der alten Ausstattung gehören in der heutigen Kirche einige Statuen und Kruzifixe zum Kirchenschmuck. Im Chor steht das Altarkreuz, eine neue Schmiedeisenarbeit. Der Korpus Jesus Christi aber verweist in seinem Ausdruck des Leidens in die Zeit des 17. Jahrhunderts. Der Korpus stammt aus der Horngrabenkapelle.

Zur linken und rechten Seite des Altarkreuzes stehen die 130 cm grossen Holzstatuen von Petrus und Paulus. Die charaktervollen Figuren stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Beim Seiteneingang steht der Heilige Pankraz. Er hält in der rechten Hand das Schwert, mit dem er hingerichtet worden ist und links einen Palrnzweig als Symbol der Märtyrer und Zeichen des Sieges. Die bemalte Holzstatue stammt wohl aus dem 17. Jahrhundert.

Orgel

Den Aufzeichnungen von Pfarrer Wisswald ist zu entnehmen, dass ein emigrierter französischer Priester Mieschbacher, der selber ein hervorragender Organist war, den Anstoss zum Bau der ersten Orgel in Matzendorf gegeben hat. Gebaut wurde sie für 50 Louisdor von Franz Josef Otter aus Aedermannsdorf. Aus Kirchenrechnungen kann herausgelesen werden, dass bereits 1798 ein «Orgeln Schlager», also ein Organist, entschädigt wurde. Diese erste Orgel mit 10 Registern wurde über die Jahre mehrfach repariert.

1923 stellte der Solothurner Domorganist fest, dass die Orgel ersetzt werden müsste, damit das ewige Reparieren ein Ende nehme. Orgelbauer Franz Gattringer aus Rorschach erhielt den Zuschlag und installierte ein neues Instrument mit 14 Registern. Die Orgel kostete 12’140 Franken und wurde am 23. Dezember 1923 eingeweiht. Bei der Umgestaltung der Kirche im Jahre 1951 wurde diese Orgel nochmals umgebaut und auf 21 Register erweitert.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts sammelte die Pfarrei wiederum Geld für eine neue Orgel und veranstaltete Orgelfeste. 1998 entschied dann das Kirchenvolk, dass eine elektronische Orgel als Ersatz angeschafft wird.

Innenansicht der Kirche gegen Westen mit Empore und Orgel
Innenansicht der Kirche gegen Westen mit Empore und Orgel

1783 ist in Matzendorf ein Josef Fluri bekannt, der als Lehrer und Sigrist wirkte. 1816 demissionierte er im Alter von 66 Jahren als Lehrer, behielt jedoch noch einige Jahre das Sigristenamt. Danach war ein Ludwig Fluri während zehn Jahren Lehrer und wurde 1823/24 in Kirchenrechnungen auch als «Orgellist» erwähnt. 1827 erhielt «Josef Fluri, Sigrist in Matzendorf» zugleich Lohn «für das Orgeln».

Alois Fluri (unten) setzt eine lange Organistentradition in der gleichen Familie fort. Abgebildet sind Grossvater Alois Fluri-Fluri (7 858-7 932), Vater Alois Fluri-Meister (7 905-7 993) und Sohn Patrik Fluri
Alois Fluri (unten) setzt eine lange Organistentradition in der gleichen Familie fort. Abgebildet sind Grossvater
Alois Fluri-Fluri (1858-1932), Vater Alois Fluri-Meister (1905-1993) und Sohn Patrik Fluri

 

Unsere erste Fahne (1881-1954)

Damalige Kosten: sFr 300 .-

 

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Heutige Fahne (1954-   )

Kosten: 1390 sFr.-

Hersteller Familien Heimgartner Will (SG)

Die Fahnenpaten sind Frau Elisabeth Eggenschwiler und Alphons Allemann Aktivmitglied (Kirchengemeindepräsident)

 

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